Minhocão City

2012, São Paulo
selected photographies

 

Der Minhoão ist ein riesiger Erdwurm, der sich durch die Flussläufe des Amazonas schlängelte und in São Paulo, einer Stadt in der Tiere nur noch als Fabelwesen existieren, hier ist er eine Schnellstraße. Der Minhocão windet sich durch Hochhausschluchten, als wäre die Stadt schon immer da gewesen und wie der Weg eines Flusses, hätte sich dieser Betonwurm den Weg des geringsten Widerstandes durch das Gestein und Geröll gegraben, um über seine schwarze glatte Haut, wie Asphalt der Geschwindigkeit zu dienen, den Verkehrsfluss laufen zu lassen und mit Getöse und Lauten, die gesamte Gegend zum vibrieren zu bringen. Der Minhocão schlängelt sich durch das Zentrum von São Paulo und ist einer der wenigen Räume der Stadt, an dem man auch vollkommene Ruhe findet. Wenn an heißen Tagen die Straßen wie ausgestorben wirken, findet man im Herzen der Riesenmetropolen eine gespenstische Leere, die mehr wie ein Filmset eines apokalyptischen Katastrophenfilm wirkt. Auch auf Grund der restriktiven Verbannung von Aussenwerbung, scheint die Architektur nackt und nur die Graffitis stechen, wie letzte Lebenszeichen, deutlich heraus. In einer Stadt ohne öffentliche Räume scheint die Nutzung von Schnellstraßen außerhalb der Hauptverkehrszeiten, als Erholungsraum wie eine weitere Entfremdung des Menschen zu sein.